Heft 8 - August/September 1938


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August/September 1938 Mitteilungsblatt des Berliner Schachverbandes Geschäftsstelle: Berlin-Charlottenburg 1, Kirchplatz 2, IV, Tel. 301052 Berliner Meisterschaften Die Mannschaftsmeisterschaft von Berlin, die 1939 in 5 Klassen ausgetragen werden soll, beginnt Anfang Januar; sie wird Anfang März beendet sein. Anschließend findet die Einzehneisterschaft von Berlin mit 14 Teilnehmern statt. Die Einzelheiten werden den Schachgruppen demnächst zugehen. Geschäftsführung Bei der Aufnahme und dem Austritt von Mitgliedern werden häufig die darüber ergangenen Bestimmungen nicht beachtet. Die Schachgruppenführer haben die Aufnahmeantrage sofort unter Verwendung des vorgeschriebenen Formulars an den Verbandsleiter direkt einzusenden. Eine ausgefüllte Mitgliedskarte ist beizufügen ;sie wird vom Verbandsleiter unterschrieben an den Gruppenführer zurückgesandt. Die Mitgliedschaft rechnet erst vom Tage dieser Unterschriftleistung. Wird ein ermäßigter Mitgliedsbeitrag vorgeschlagen, so müssen die Gründe dafür angegeben werden. Von dem für das Mitglied festgesetzten Beitrage darf nur vorübergehend bei Arbeitslosigkeit oder ähnlichen Ursachen abgewichen werden; dauernde Veränderungen sind beim Verbandsleiter zu beantragen. Austrittserklärungen, für die stets schriftliche Form zu verlangen ist, sind unverzüglich an den Verbandsleiter weiterzureichen. Längere Beitragsrückstände sind rechtzeitig zu melden, damit die betreffenden Mitglieder gestrichen werden können und ihre Aufnahme bei anderen Ortsgruppen unterbleibt. Bezirk Süden: Die Schachgruppe Schöneberg beging im Juni ihr 25jähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß wurde zu Ehren des Gründers ein "Albert Kelm-Jubiläumsturnier" ausgespielt, das 24 Teilnehmer bestritten. Sieger in diesem Turnier war der jugendliche Rudolf Teschner, der von 23 Partien 21½ Punkte ohne Verlust erreichte. Ferner wurde ein Blitzturnier in drei Abteilungen ausgetragen. Der bekannte Problemkomponist Witwer, der ein langjähriges Mitglied der Schöneberger Gruppe ist, widmete dem Verein einen prächtigen 4-Züger. An einer Simultanveranstaltung, die Meister Schlage gab, gewann dieser 14 Partien und machte zwei remis. Zwischen den Gruppen Steglitz - Schöneberg - Kreuzberg - Lichterfelde - Zehlendorf - Tempelhof und Klein-Machnow wird seit einiger Zeit ein Bezirks-Sommerturnier ausgetragen. Der Stand ist augenblicklich Kreuzberg 28, Schöneberg 24. Die Leitung der Gruppe Friedenau hat Bezirksleiter Friedel, Schöneberg, übernommen. Am 27. August verstarb unerwartet das langjährige Mitglied der Steglitzer Gruppe, Oberst a. D. Graf Ulrich von Brockdorff. Mit ihm ist ein stets kampfbereiter Schachkamerad dahingegangen, der den Steglitzer Schachfreunden immer in guter Erinnerung verbleiben wird. Schachmeister Schlage spielte am 6. September in Steglitz simultan; er gewann 18 Partien und verlor gegen Wauschkuhn. Dem Spiel ging ein Vortrag Schlages über die letzte Schachmeisterschaft von Deutschland voraus. Bezirk Osten: Am Sonntag, dem 31. Juli, veranstaltete der Bezirk im "Orpheum" (früher Happolds), Berlin, Hasenheide, ein Schachpropagandaspiel. In zwei Klassen ging es "blitzmäßig" zu. Herr Köpstorff (Gruppe Baumschulenweg), Teschner (Schöneberg) und Post (Baumschulenweg) waren die drei Besten in der 1. Klasse. Eine Beratungspartie zwischen Neukölln und Oberschöneweide wurde von Neukölln gewonnen. In der Bezirksmeisterschaft waren die Ergebnisse: Gruppe A: 1. Kirchhammer (Neukölln) 5 Punkte, 2. Röpstorff (Baumschulenweg) 5 P., 3. Breitag (Oberschöne-

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weide) 4 P., 4. Kroboth (Lichtenberg) 3 P., 5. Hausold (Köpenick) 2 P., 6. Gerlach (Frankfurter Allee) 1½ P., 7. Linke (Kottb. Tor) ½ P.; Gruppe B: 1./2. Mross (Lichtenberg) und Dahl (Neukölln) mit je 4½ Punkten, 3. H. Mews (Oberschöneweide) 3 P., 4. Sielaff (Adlershof) 3 P., 5. Schilling (Neukölln) 2½ P., 6. Palm (Baumschulenweg) 2 P., 7. Bodewin (Frankfurter Allee) ½ P. In der Endrunde erzielten: 1./2. Röpstorff und Mross je 2½ Punkte:, 3./4. Kirchhammer und Dahl je ½ Punkt. Im Stichkampf Röpstorff-Mross blieb Mross Sieger. Der frühere, langjährige Leiter der Gruppe Karlshorst Gustav Bolz ist am 4. August verstorben. Am 21. Juli konnte er noch seinen 75. Geburtstag feiern; doch waren da schon seine Tage gezählt. Um so bewunderungswürdiger war es, daß er noch am letzten Turnier teilnahm und Erster in der 2. Klasse wurde. Gustav Bolz gehörte der Gruppe seit Mai 1911 an; er war ein vorbildlicher Schachkamerad und wird uns stets in guter Erinnerung bleiben. Bezirk Norden: Die Einzelmeisterschaft des Bezirks Norden errang in diesem Jahre R. Lehmann-Humboldt nach Stichkampf gegen Brandes-Moabit. Der vorjährige Bezirksmeister Silbermann-Pankow war aus beruflichen Gründen nicht in der Lage, seinen Titel zu verteidigen. - Nachstehend die Turnierreihenfolge: 1. Lehmann-Humboldt 8+1½, 2. Brandes-Moabit 8+½, 3.-4. Sternberg und Bochow - beide Pankow 6½, 5. Groneberg-Humboldt 6, 6.-7. Seiffert-Humboldt und Striedl-Reinickendorf 5, 8.-9. Redlich-Moabit und Hoose-Humboldt 4½. 10. Kater-Moabit 2, 11. Gronki-Weißensee 0. Die Schachgruppe Pankow hat ihr Spiellokal nach dem "Konzerthaus" in Pankow, Breitestr. 34, verlegt. Spielabende sind wie bisher Dienstag und Freitag. In dem neuen Heim wurde am 9. September die Wintersaison mit einem Mannschaftsblitzturnier für alle Gruppen des Bezirks eröffnet. Im Sommerturnier der Gruppe Pankow, das in 6 Abteilungen ausgetragen wurde, siegten in Gruppe 1 Grammatikoff, Bochow, 2 Krucz, Rieger, 3 Sessek, Ostermann, 4 Heuschkel, Koslowski, 5 Haase, Fahland, 6 Boremski, Reich. Der Bezirk Norden hat zwei schwere Verluste durch den Tod zu beklagen. Es verstarben der Leiter der Schachgruppe Hermsdorf Ernst Schmoldt und der Schatzmeister der Ortsgruppe Tegel Walter Quandt. Den beiden verdienten Schachkameraden wird das Berliner Schach ein ehrendes Andenken bewahren. - Zu Gruppenleitern wurden bestellt: Karl Hawemann in Hermsdorf, Friedrichstalerweg 18 (471328) für die Gruppe Hermsdorf und Jakob Hillbrunner in Berlin-Reinickendorf-West, Zobeltitzstr. 48, für die Gruppe Reinickendorf-West. Bezirk Westen: Die Gruppe Wilmersdorf feiert im nächsten Jahre ihr 20jähriges Bestehen. Sie will aus diesem Anlaß unter Beteiligung einiger Meister ein Jubiläumsturnier für ihre stärksten Spieler veranstalten. Eine Vorprüfung hierfür stellte das soeben ausgetragene Turnier um die Vorkämpferschaft 1938 dar, das eine wertvolle Bereicherung durch die Beteiligung von Dr. Dührssen und von Mross erfuhr. Ersterer wurde Sieger mit 4½ vor Mross mit 4 Punkten. Den Titel erwarb der junge A. Horn mit 3½ Punkten vor Werkmeister, Pauli und Steinmetz I. Ein Sommertumier in fünf Klassen zu je 8 Teilnehmern brachte folgende Ergebnisse: Gruppe I B — Immermacher I (5) vor Adeler (4½); Gruppe I C - Deinstrop (4) vor Böske, Emmermacher II, Ruhde und Steinmetz II (3), Gruppe II A - Hesse mit 6 Punkten vor Schley (4½) Doddek und Tschekini (4); Gruppe II B - Godehusen (6½) vor Nitze (5½), Grasmeir II (5), Reinsdorf (4); Gruppe II C - Professor Dr. Wohlthat (7), vor Käseberg (5½), Färber (4½) und Diefke 4 Punkte. Die Berliner Schachgesellschaft hält ab 1. Oktober jeden Dienstag und Freitag ihre Spielabende im Schachkaffee Viktoria ab, das nach dem Ausschluß der jüdischen Gäste zum Mittelpunkt des Berliner Schachlebens gestaltet werden soll.