Heft 8 - November 1951)


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Mitteilungsblatt des Berliner Schachverbandes e. V. Beilage der Deutschen Schachzeitung im Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin W 35 Nr.8 - 1.Jahrgang - November 1951 Verbandsnachrichten Gesamtdeutsche Jugendmeisterschaft 1951 in Leipzig: Uhlmann (Dresden) wurde mit 10½ Deutscher Jugendmeister vor Fuchs 9, Budrich, Darga 8 (alle Bln.), Rosen (Essen) 7½, Bialas (Bln.) 7, Richter (Werdau) 6½, Kunze (Meisdorf) 6, Schröder (Hbg.), Malich (Staßfurt) 5½, Achatz (Augsburg), Stahl (Bln.) 5, Musmann (Herne) 4½ und von Saldern (Braunschweig) 3. Drei Berliner in vorderster Front, darunter Darga als Bestplacierter unter den Westdeutschen. Ein vielversprechendes Ergebnis, das Hoffnungen erweckt für die kommenden Jahre. Spielsaison 1951/52: Mit der 1. Runde der Berliner Mannschaftsmeisterschaft am 4. 11. 51 wurde die neue Spielsaison eröffnet. Diesen Wettkämpfen schließen sich noch in der gleichen Woche an verschiedenen Orten die Vorrunden-Turniere zur Einzelmeisterschaft an. Der Berliner Sohachverband wünscht allen teilnehmenden Mannschaften sowie Einzelspielern im neuen Spielabschnitt recht gute Erfolge. Ingo-Wertungssystem (2. Beitrag) Der bisherigen Vier-Klasseneinteilung (Meister-, Vormeister-, Haupt- und Nebenturnierspieler) mit ihren verschwommenen Grenzen und nationalen Verschiedenheiten setzt Ingo eine 300gradige international einheitliche Spielstärkenregelung gegenüber, die durch dezimale Unterteilung eine 30000fache Abstufung erlaubt. Jeder Spieler mit Ingo-Zahl ist an der richtigen Stelle eingegliedert. Seine Spielstärke (Durchschnitt seiner Turnierergebnisse) ist eindeutig und kann überall verwendet werden. Die F-Zahlen (Spielstärke) bewegen sich z. Zt. zwischen 24,63 (Weltmeister) und 320,00 (größter erfaßter Schachpatzer). Wie entstehen Ingo-Zahlen ? Nachfolgende Beispiele sollen darüber Aufschluß geben. I. ein Turnier, in dem alle Spieler eine F-Zahl haben, II. ein Turnier, in dem nur wenige Spieler eine F-Zahl haben, III. ein Wettkampf, in dem beide Spieler eine F-Zahl haben, IV. ein Wettkampf, in dem nur ein Spieler eine F-Zahl hat, V. ein Turnier nach Schweizer System. Wir behandeln heute Beispiel I. Zunächst die erforderliche Tabelle: Turnier-Niveau: 155,25 A B C D E F G H 1 A 6 85,71 76,13 161,84 69,54 2 B 5 71,43 88,24 159,67 83,82 3 C 4 57,15 110,87 168,02 98,10 4 D 3½ 50,00 106,02 156,02 105,25 5 E 3½ 50,00 101,39 151,39 105,25 6 F 3 42,85 116,67 159,52 112,40 7 G 2 28,57 120,20 148,77 126,68 8 H 1 14,29 122,48 136,77 140,96 geteilt durch 8 = Durchschnitt 28 400,00 842,00 1242,00 842,00 50,00 105,25 155,25 105,25

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Erklärung der Spalten: A = lfd. Nr., B = Name des Spielers, C = Gewinnpunkte, D = Gewinnpunkte (in %) derer, die eine F-Zahl aus früheren Turnieren besitzen, E = Gewinnpunkte (in %) von Unbekannten, F = Spielstärke aus früheren Turnieren (sogenannte F-Zahlen), G = Niveau des Spielers (D+F), H = Turnierergebnis. Der Rechnungsgang: Berechnet werden jeweils 2 Stellen nach dem Komma. Die Addition der Spalten ergibt die notwendigen Kontrollzahlen. Diese, geteilt durch die Anzahl der Spieler, ergeben den Durchschnitt. Der Durchschnitt in G (im Beispiel 155,25) ist das Turnier-Niveau, das zweckmäßigerweise sofort im Kopf der Tabelle herausgestellt wird. Die H-Zahl jedes Spielers (Turnierergebnis) entsteht aus Turnier-Niveau abzügl. 85,71 = 69,54. Die H-Zahl wird mit der alten F-Zahl verrechnet nach dem Verfahren D: 3 × alte F-Zahl + 1 × H-Zahl : 4 = neue F-Zahl, z. Beispiel: A ... 3 × 76,13 = 228,39 + 69,54 = 297,93 : 4 = 74,48. Das Turnierergebnis wird also mit ¼ in Anrechnung gebracht. Die jeweilige F-Zahl enthält die Ergebnisse einer langen Reihe von Turnieren. Sie muß, um gewertet werden zu können, aus mindestens 3 Ergebnissen bestehen. Dies ist notwendig, um Glück und Pech eines Spielers, die sich nach einigen Turnieren einebnen, möglichst auszuschalten. Beim Vergleich der Endsummen der Spalten F und H erkennt man, daß in F jeder Spieler seinen Einsatz gebracht hatte, der in H in anderer Form wieder verteilt wurde. Aus den Vereinen Der "Klub der Schachfreunde Tempelhof" hat seinen Namen in "Schachklub Tempelhof" geändert. Es werden wieder regelmäßig Kurse für Jugendliche abgehalten. Im November beginnen die Lehrkurse für Anfänger in den Schulen. Der Verein hat anläßlich seines 20jährigen Bestehens ein Vereins-Jubiläums-Turnier in 8 Gruppen gestartet. Am Sonntag, dem 7.10.51 fand der schon lange angesetzte Wettkampf Motor Treptow — S. K. Tempelhof statt. M. T. konnte leider nur 19 Bretter besetzen und verlor sehr hoch 5 - 14. Bei Tempelhof spielte am 1. Brett Nr. 14, am 2. Brett Nr. 18 und am 19. Brett Nr. 54 unserer Rangliste. Spielleiter Stange hat den Klub auf Ingo-Wertung umgestellt. Zehlendorf (Schachges. Südwest): Vereinsabend ist jetzt der Donnerstag. Das Amt des Spielleiters hat Schachfreund Gettner übernommen. Die Winterspielzeit wurde mit einem Blitzturnier eröffnet; unter 25 Teilnehmern siegten in der 1. Klasse Mirschenz vor dem Junior H. Lieb, in der 2. Klasse der Junior W. Lieb. Das Winterturnier mit 30 Teilnehmern wird gleichfalls in zwei Klassen gespielt. Im November sind besondere Spielabende für das Mannschaftstraining angesetzt. Im Dezember hält Dr. Heinz Lehmann einen Vortrag (anschließend Simultanspiel). Vereinslokal: Restaurant "Zum fröhlichen Wanderer", Zehlendorf, Fischerhüttenstr. 45 (Nähe Ubf. Krumme Lanke). Läufer Reinickendorf: Klubmeister 1951 Horst Michel, Blitzmeister 1951 Horst Michel, Jugendmeister 1951 Unverzagt, K.O. Sieger 1951 Dally. Vergleichskampf gegen Reinickendorf West hin 11½ - 5½ für Läufer Reinickendorf, zurück 10½ - 3½ für Läufer Reinickendorf. Vergleichskampf gegen Humboldt hin 13½ - 11½ für Läufer Reinickendorf, zurück 7½ - 9½ für Humboldt. Eckbauer: Simultan-Vorstellungen der Spitzenspieler. Es erzielten gegen teilweise die gleichen Gegner: Kinzel 7 - 3 = 9 in 4½ Std. 19 Partien Gumprich 12 - 7 = 4 in 4½ Std. 23 Partien Grohmann 16 - 3 = 4 in 4¼ Std. 23 Partien Vogt 16 - 2 = 1 in 3¼ Std. 19 Partien Dr. Lehmann 3 - 2 = 3 in 5½ Std. 8 Partien (blind). Herausgeber: Berliner Schachverband e. V. Verantwortlich: Der Pressewart des Verbandes Curt Seibert, Charlottenburg 9, Reichsstr. 4, Tel.: 979344