Heft 1 - Januar 1953


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Mitteilungsblatt des Berliner Schachverbandes e. V. Nr. 1 3. Jahrgang Januar 1953 Zum Jahreswechsel Das Jahr 1952 brachte uns im Deutschen und im Berliner Schach wichtige Erfolge. Deutschland führte zwei siegreiche Länderkämpfe gegen die Schweiz und Jugoslawien durch und nahm mit gutem Erfolge an der Schacholympiade in Helsinki teil. In Berlin wurde die Einzelmeisterschaft in einem würdigen Rahmen im Schöneberger Rathaus durchgeführt. Zum ersten Male wurden die Vorkämpfe für die Deutsche Pokalmeisterschaft ausgespielt, die unserem siegreichen Vertreter hoffentlich bei den Kämpfen auf Bundesebene im neuen Jahre weitere Erfolge bringen wird. Der Berliner Mannschaftsmeister führte mit bemerkenswerter Energie eine strapazenreiche und dennoch erfolgreiche Europa-Fahrt durch.' Tn organisatorischer Hinsicht können wir mit Zufriedenheit auf eine stetige Entwicklung zurückblicken. Unsere Kassenverhältnisse sind geordnet. Der Berliner Schachverband hat Sitz und Stimme im Beirat des Deutschen Schachbundes erhalten, und der Vorsitzende des Berliner Schach Verbandes ist einer der drei Vertreter im wichtigen Ost/West-Ausschuß des Deutschen Schachbundes. Nachdem für längere Zeit die sportlichen Beziehungen zwischen Ost und West abgebrochen waren, wird in diesem Winter zum ersten Male die Berliner Mannschaftsmeisterschaft getrennt ausgetragen. Da Mitte Dezember eine Einigung zwischen dem Deutschen Sportbund und dem Deutschen Sportausschuß der DDR erfolgte, können im neuen Jahre auch wieder Wettkämpfo zwischen östlichen und westlichen Schachklubs und Schachorganisationen stattfinden. Für das neue Jahr besteht die Absicht, die Deutsche Einzelmeisterschaft und den Schachkongreß des Deutschen Schachblindes in Berlin durchzuführen, sofern die damit verbundenen finanziellen Problen gelöst werden können. Im Namen des Vorstandes danke ich an dieser Stelle nicht nur meinen Vorstands-kollegen für die im letzten Jahre geleistete Arbeil, sondern auch allen den vielen ehrenamtlichen Helfern in den Klubs, ohne deren Arbeit der Schachbetrieb gar nicht durchgeführt werden könnte, und deren emsige Tätigkeil meist als etwas Selbstverständliches hingenommen wird. Unseren Wettkämpfern und natürlich insbesondere unseren Spitzenspielern wünsche ich auch für das neue. Jahr 1953 gute Erfolge und aüen Klubs eine gesund? Vnnrärtsentwicklung in quantitativer und qualitativer H'^ht. Berliner Schachverband e. V. Dr. Erich Stüber Vorsitzender Eckbaiier nahm die erste Hürde Bei den Vorkämpfen um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft, die am 29. und 30. November in Frankfurt stattfanden, konnte sich Berlin für den weiteren Wettbewerb qualifizieren. Nach einem überraschend hohen Sieg von 6)4 zu 1% Punkten über die Frankfurter Schachfreunde spielten die Vertreter von Eckbauer in der 2. Runde gegen den Karlsruher Schachklub offenbar zu siegesgewiß und unterlagen mit 3 zu 5 Punkten, wonach sie ihre Hoffnungen auf eine Teilnahme an der Zwischenrunde bereits aufgaben. Aber Frankfurt wollte die hohe Niederlage aus der 1! Runde wieder wettmachen, und es gelang dem hessischen Landesmeister tatsächlich, die Karlsruher nach einem dramatischen Kampfe mit 4% zu 2Vo Punkten (1 Hängepartie) zu schlagen. Berlin tt'ar der lachende Dritte und belegte

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mit 9% Punkten den ersten Platz vor Karlsruhe und Frankfurt. Nachstehend die Einzelergebnisse der Berliner Spieler: Eckbaüer Frankfurt Karlsruhe Dr. Lehmann % 0 Jäger Eisinger Gumprich 1 l Schlensker Dr. Du hm Grohmann 1 0 Heuäcker Dr. Unruh Kinzel i 0 Flammiger Wolff Czach 0 0 Marcus Walter Tenenbaum i 1 Dietze Rodek Vogt l 1 Menger Schüler Steneberg i 0 Dr. Haebler Kälbler Der Termin für die Zwischenrunde, in der Berlin voraussichtlich mit Bielefeld und Hamburg zusammentreffen wird, steht noch nicht fest. Die Spitzenreiter der Berliner Mannschaftsmeisterschaft Nach der 2. Runde führen in den einzelnen Klassen und Gruppen zum Jahresende folgende Vereine: Stadtliga: Kreuzberg I mit 13 vor Wilmersdorf und Wedding. (Eckbauer liegt zunächst mit einer Runde weniger noch im Rückhalt.) Zwischenliga 1: Süd-West 1 mit 13 vor Läufer Rein. 1 und Schallop 1. Zwischenliga 2: Tempelhof 1 mit 13 vor Eckbauer 2 und Humboldt 1." A-Klasse 1: Wedding 2 mit 12% vor Läufer Rein. 2 und Eckbauer 4. A-Klasse 2: Tempelhof 2 mit 11% v°r Lasker 2 und Wittenau 2. B-Klasse 1: Weiße Dame l mit 11% vor Eckbauer 5 und Kreuzberg 4. B-Klasse 2: Kottb. Tor 2 mit 12 vor Wittenau 3 und Caissa 2. C-Klasse: Siemens 3 mit 14 vor Wittenau 4 und Läufer Rein. 4. Auch der Spielausschuß des Berliner Schachverbandes wünscht allen Schachfreunden ein glückliches Neues Jahr und für 1953 recht viel Erfolg, Neues vom Ingo-System Vom Ingo-Arbeitskreis erfahren wir, daß 10 Berliner Vereine dieses System benutzen. Der Schachklub Kreuzberg hat es sogar auf Grund eines Mitgliederbeschlusses offiziell eingeführt und richtet seine Turniere und die Rangfolge der Spieler hiernach aus. Bereits jetzt liegen die Bewertungsziffern von etwa 500 Berliner Spielern vor. Eine kurz gefaßte Einführung in das System kann von dem Leiter des Ingo-Kreises Hans Ra minin, Berlin-Charlottenburg 9, Fredericiastr. 9, Tel. 929995. bezogen werden. Aus den Vereinen Seh ach kl üb Kreuzberg e. V.: Jugehdmeister wurde nach hartnäckigem und Wechsel vollem Kampf Wolfgang Schulz vor Delander. — Am 6. 12. fand im Klubheim eine wohlgelungene Jahresfeier statt, auf der dem neuen Klubmeister Walter Mandel, dem Sieger der Vormeisterklasse, Walter Freitag» den Siegern der 1. Klasse A und B, Werner Heise und Ernst Guse, den Siegern der 2. Klasse A und B, Dieter Weber und Ferdinand Hartmann sowie den Siegern der 3. Klasse, Dietmar Weber und Gerald Hildebrandt Diplome und Preise überreicht wurden. — Am 30. 12., dem letzten Spieltag im alten Jahr, wird „Schach ein wenig verrückt" gespielt. Auf den 64 Feldern soll zum Abschluß noch einmal mit Humor und Witz gekämpft werden. Scherzhafte Abwandlungen unseres Königlichen Spiels sollen den Ausklang des Jahres 1952 krönen. Herausgeber: Berliner Schachverband e. V. Verantwortlich: Pressewart.des Verbandes Gottfried Groh mann , " Berlin-Charlottenburg 5, Kantstr. 75, Tel.: 914625, 344410 Verlag: Walter d«- Gruyter & Co , Berlin W 35