Heft 12 - Dezember 1953


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Mitteilungsblatt des Berliner Schachverbandes e.V. Nr. 12 3. Jahrgang Dezember 1953 Teschner wieder Berliner Meister Spannend bis zur letzten Runde verlief in diesem Jahr das Turnier um die Berliner Einzelmeisterechaft! Teschner als Titolvertoidiger und Dr. Lehmann, der in der Deutschen Meisterschaft den 2./3. Platz belegte, galten als Favoriten. Heide hatten aber einen schlechten Start; Teschner erzielte aus den ersten drei Partien nur einen Punkt (remis gegen Kühn und Bialas, verloren gegen Mross) und Dr. Lehmann mußte nach einem Sieg über Müller gleich drei Niederlagen (gegen Darga, Kinzel und Maaß) hinnehmen. Schon konnte man an einen überraschenden Ausgang des Kampfes glauben, denn der deutsche Jugendmoister Bialas blieb bis zur 8. Runde ungeschlagen und gestattete nur noch Mandel und seinem jugendlichen Konkurrenten Darga ein Unentschieden. Dann aber fiel er durch eine Niederlage gegen Dr. Lehmann zurück und versäumte auch gegen Maaß im Endspiel den Gewinnweg. Damit war für Teschner, der in glänzender Manier aus den letzten 9 Partien 8U Punkte (remis gegen Hallbauer) buchte, der Weg frei und er errang zum 6. Mal den Titel des Berliner Meisters. Dr. Lehmann kam infolge beruflicher Überlastung auch in der 2. Hälfte des Turniers nicht in Form und mußte sich nach weiteren Niederlagen gegen Teschner, Mross und Rößner mit einem Mittelplatz begnügen. Darga sicherte sich durch Siege über Mross und Mandel den 3. Platz. Mross wird sich damit trösten, daß es ihm auch in diesem Jahr wieder gelang, dem Sieger die einzige Niederlage beizubringen. Nur als „Ersatzmann" wurde Kinzel zur 3Ieisterk lasse zugelassen. Er schlug sich aber ausgezeichnet und konnte gegen Dr. Lehmann, Mross und Rößner glänzende Kombinationspartien in seinem bekannten und gefürchteten „Wild-Wcst-Stil" gewinnen. Schlußstand: 1. Teschner (Wilmersdorf) 9l/->, 2. Bialas (Kreuzborg) 9, 3. Darga (Wittenau) 8 !/2, 4. Mross (Wilmersdorf) 8, 5./6. Kinzel (Eckbauer) und Mandel (Kreuzberg) je 6l/2t 7. Dr. Lehmann (Eckbauer) 5 >/>, 8./9. Hallbauer (Wedding) und Schmidt (Tompelhof) je 5, 10. Müller (Wilmersdorf) 4 U, 11. Kühn (Kreuzberg) 4, 12. Rößner (Krouzberg) 3>/2, 13. Maaß (Wittenau) 2 »/* Punkte. Das ausgezeichnete Abschneiden der beiden jüngsten Teilnehmer Bialas (18 Jahre) und Darga (20 Jahre) muß bei dieser hervorragenden Besetzung besonders hervorgehoben werden. Es berechtigt zu der Hoffnung, daß Berlin in den nächsten Jahren auf deutschen Turnieren noch stärker vertreten sein wird als bisher. Hoffentlich gelingt es, der nächsten Meisterschaft wieder einen repräsentativen äußeren Rahmen zu geben, damit diese wichtigste lokale Veranstaltung auch die ihr gebührende Beachtung in der Öffentlichkeit finden kann. Ebenso wie in der Meisterklasse gab es auch in allen anderen Gruppen harte Kämpfe. In den Vormeisterturnieren erlangten in Gruppe 1 Delandor, Tenenbaum und W. Koch und in Gruppe 2 bisher Flad und Silbermann die Berechtigung, im nächsten Jahr in der Meistorklasse mitzuspielen. Um den 3. Platz der Gruppe 2 ist z. Zt. ein Stichkampf zwischen Hohensee, Youston, Vogt und Wolf, die je 6 Punkte erzielten, im Gange. Den Schlußstand der einzelnen Turniere werden wir im nächsten Mitteilungsblatt veröffentlichen. Mandel behauptet sich in Leipzig Als Vertreter des Berliner Schachverbandes beteiligte sich Mandel (Kreuzberg) an der gesamtdeutschen Einzelmeisterschaft, die am 8. November in Leipzig begann und nach Schwoizer System (13 Runden) ausgetragen. Er belecte mit 61/, Punkte

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Zu dem traditionellen Turnier, das alljährlich während der Weihnachtstage in Hostings stattfindet, erhielt auch unser Berliner Meister Teschner eine Efnlaäüng. Die Großmeister Stahlberg und Tartakower sowie die Meister 0'Kelly, Matanovic, Alexander, Wade und Olafson werden voraussichtlich zu seinen Gegnern zählen. Wir wünschen ihm gegen diese starke internationale Konkurrenz „Hals- und Beinbruch"! Turnier der Vorsitzenden Böse Zungen behaupten, die meisten Vorsitzenden der Schachvereine, könnten gar nicht Schach spielen, denn man sieixt sie kaum am Schchbrett, weil sie immer mit organisatorischen Dingen beschäftigt sind. Um die Leiter der Schachvereine in dieser Beziehung zu ,,überprüfen'4, .tat der Berliner Schachverband den Verbandsvorsitzenden und alle Vereinsvorsitzenden zu einem Turnier nach Schweizer System (6 Rundon) eingeladen. Die 1. Kunde wird am Dienstag, dem 8. 12. 53 ab 20 Uhr im Spiellokal des Schachklubs Weiße Dame, Courbierestr. 13, gespielt. Jeden Monat wird nur eine Runde ausgetragen. Aus den Vereinen Berliner Schachgesellschaft Eckbauer e.V.: Am 21. November fand die Preisverteilung für die Turniere des abgelaufenen Jahres statt. Klubmeister wurde Dr. Lehmann mit 13 Punkten aus 14 Partien vor Grohmann 12 und Pawelczak 11. Zwischenliga: Grabert 10\'<> aus 12 vo Kühn 9|2 und Hartwig 8. A-Klasse: Tabbert 10 aus 13 vor Lücke 9l/> und Berger 9. B-Klasse, Gruppe I: Wendt 10 aus 12 vor Pfarr 9j-> und Buchholz 8. B-Klasse, Gruppe II: Böhning 9 aus 11 vor Kaisor, Schlüter und Maraschnow je 7 •/*. Im Stich kämpf der B-Klasse siegten Böhning und Kaiser. Die Pokalmeistorschaft des Vereins gewann Vogt vor Friedrich. Im Sommerturnicr, das mit 28 Spielern nach Schweizer System ausgetragen wurde, siegte Berger und Kühn mit je 7 * Punkten vor Fahlenkamp 7 und Nawoth-rüg, Euteneuer, Baake mit je 6 Punkten.Nachdem das praktische Spiel hoch durch ein Blitzturnier zu seinem Recht gekommen war, vereinten Geselligkeit und Tanz die Teilnehmer dieser gelungenen Veranstaltung noch bis lange nach Mitternacht. iSchachgesellschaft Südwest (Zehlendorf): Das Spiellokal befindet sich jetzt im Cafe Daheim, Zehlendorf, Kaunstr. 16, Tel. 848325, am S-Bahnhof Zehlendorf-West. Spiclabend wie bisher jeden Donnerstag ab 18 Uhr. — Das Winterturnier wurde mit 36 Teilnehmern (3 Klassen) gestartet. — In der Jahres-Blitz-meisterschaft (4 Wertungen) führen nach der ersten Wertung in Klasse I Harald Liob und Wolfgang Müller mit je 10 Punkten vor Wolfgang Lieb und Mirschenz je 8, Schneider 6, Bauer 5>2 usw., in Klasse 11 Maxeion 12 vor Großkopf 9 l/>* Heym 9, Goldner 8 usw. — Ein Freundschaftskampf an 22 Brettern gegen den Schachklub Schallopp wurde von Südwest mit 13:9 (1. —8. Brett 41,2-3!-/) gewonnen. Schach verein Wilmersdorf: Das Spiellokal mußte erneut gewechselt worden und befindet sich jetzt im Restaurant Pfalzburg, Düsseldorfer Str. 71, Ecke Pfalzburger Str. (Tel. 875301). Gespielt wird jeden Dienstag und Donnerstag ab 19 Uhr. Schachklub Neukölln 03 e.V.: Am 25.11. bogann das Winterturnier des Voreins, das als „Benno-Luckstoin-Gedenkturnior" in drei Gruppen durchgeführt wird. Gespielt wird jeden Montag und Mittwoch im Sportrestaurant Troschinski, Emser Str. 68, Ecke Neißestr. (Tel. 624127). — Die Mitgliederbewegung des Veren entwickelte sich in diesem Jahr ganz besonders erfreulich, es konnten etwa 25% neue Zugänge aktiver Spieler verzeichnet werden. Schachclub Weiße Dame: Auf der Jahreshauptversammlung wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt (1. Vors. Otto Christ, Apostel-Paulusstr. 1). Das Schriftführeramt versieht Herbert Matthaes, W 30, Habsburger Str. 4. Rolf Schemra, W 3f>, Potsdamer Str. 158, wurde in seinem innerhalb des Geschäftsjahres übernommenen Amt als Spielleiter bestätigt und wiedergewählt. Herausgeber: Berliner Schach verband e. V. Verantwortlich: Pressewart des Verbandes Gottfried Grohmann, Berlin-Charlottenburg 5, Kantstr. 75, Tel.: 91 46 25, 3444 10 Vrerlag: Walter de Gruyter & Co., Berlin W35